







86K Ü C H E N M A G A Z I N 2 0 2 6 K O C H E N & G E N I E S S E N Fotos: Tiago Bonato, Lena Geib, Wein-und Sektgut Barth Rheingau, iStock / malerapaso, PR Die Quereinsteiger Griesel & Compagnie Niko Brandner (unten rechts) mit seinem Team; inzwischen vertreibt Griesel & Compagnie auch Obstschaumwein. Brandners Trauben bekommen im Keller so lange Zeit, bis sich der Most von selbst vergoren und geklärt hat. Niko Brandner hätte ein ganz anderes Leben führen können: Als Banker startet er in der Finanzbranche. Doch er merkt schnell, dass seine Leidenschaft woanders liegt. Mit Mitte 20 bricht er auf und beschließt, Weinbau in Neustadt zu studieren. „Alles, was gut schmeckt und riecht, hat mich begeistert. Irgendwann landet man dann unweigerlich beim Wein“, sagt er. Brandner sammelt seine Kennt- nisse bei Größen der Branche, unter anderem bei Rudolf Fürst in Franken und dem Sektpionier Volker Raumland. Der Wunsch, selbst Sekt herzustellen, nimmt dabei Formen an und 2013 wird Brandner von der Familie Streit in Bensheim engagiert. Mit Erfolg: Seine Kreationen finden sofort großen Anklang. Was ihm bei seinen Sekten wichtig ist? „Frucht setze ich nur in dezenten Dosen ein. Sie kann oft überdecken und als Ballast wirken“, erklärt er. Selbst die einfacheren Weine reifen bei ihm mindestens zwei Jahre auf der Hefe. Bei Zucker übt er Zurückhaltung – kein Sekt enthält mehr als vier Gramm pro Liter. „Guter Sekt braucht Zeit und Geduld“, findet er. Im Keller lässt Brandner den Wein gern seinen eigenen Weg finden. Technik setzt er nur dann ein, wenn es für die Qualität des Weins erforderlich ist. „Handrütteln empfin- de ich eher als Esoterik.“ Seit Jahren gewinnt er Preise und im Keller lagern noch einige vielver- sprechende Weine, auch Lagensekte, die auf den richtigen Zeitpunkt warten. „Ich will, dass jeder Sekt eine Geschichte erzählt“, benennt Brandner seinen Anspruch. Unser Autor findet: Brandner überzeugt mit filigranem Stil, klarer Straffheit, Würze und Komplexität.